Initiative Reutlinger Wein - Pressestimmen
   
  Reutlinger Tagblatt :: 23.10.2006

WEINBAU / Bei Henzlers reifen nun Spätburgunder, Schwarzriesling, Chardonnay, Portugieser und Müller- Thurgau im Fass

Von jedem Rebstock reichts ein Viertele und ein Achtele

Vom ersten Wein- Jahrgang 2005- gibt es nur noch eine Handvoll Flaschen. Zum Glück kommt bald Nachschub aus Reutlingens einzigem privaten Weinberg. Die Lese 2006 ist erledigt, derzeit reift der neue Cuvée im Fass: 400 Liter Schillerwein sollen es heuer werden.
KARIN LOBER

REUTLINGEN Wer viele Paten hat, braucht sich um regen Besuch keine Sorgen zu machen. So auch Gudrun und Gerhard Henzler, die zum Weinbergfest geladen hatten und dabei viele der Rebstockpaten persönlich begrüßen konnten.

Im Henzlerschen Wengert geht es nämlich ein wenig anders zu als gewohnt: Hier können Natur-, Pflanzen- oder Weinfreude Weinstöcke leasen. Das kostet 23 Euro pro Jahr und Stock, als Gegenwert gibt´ s den Wein von der Sommerhalde zum Sonderpreis. Wer mag, darf auch persönlich nach den Pflänzchen schauen oder bei der Lese helfen.

Die Ernte 2006 war gut, bilanzierte jetzt Henzler vor Gästen und Paten: Das Wetter hat gestimmt, von der Menge her hätte es mehr sein dürfen, aber dafür sind die 85 Grad Oechsle nicht von schlechten Eltern. Der Zuckergehalt ist immerhin höher als im Most des städtischen Weinbergs. Henzler wiegelte allerdings diplomatisch ab: „Wir wollen nicht in Konkurrenz treten.

2005, dem ersten Jahr des privaten Weinerzeugung, wurden 180 Liter abgefüllt- Heuer werde es rund 400 Liter sein. Bei insgesamt 1067 Rebstöcken ergibt das eine rechnerische Menge von 0.375 Liter pro Rebstock. In Gläsern ausgedrückt: Ein Viertele und ein Achtele. Aber wer bilanziert schon betriebswirtschaftlich, wenn es um Wein aus heimischen Gefilden geht? Hier zählen vielmehr Idealismus und die Liebe zum Weinbau.

Ausgeschenkt wurde der Edelverschnitt aus Müller-Thurgau, Portugieser, Spätburgunder, Schwarzriesling und Chardonnay freilich noch nicht - nur die Paten durften ihr Kontingent aufkaufen. Denn die Henzlers und ihr Team im fröhlichen Weinberg haben es 2005 gerade einmal auf 180 Liter gebracht, das sind 0,2 Liter Endprodukt je Rebstock. Wenn der Wein aber erst einmal seine Pubertät hinter sich hat, sollen die Erträge geradezu explosionsartig zunehmen. "Die Lese im Herbst 2007 kann uns gut 2000 Liter Wein und mehr bringen", so Merkts Prognose. "Wir trimmen hier nicht auf Ertrag, sondern auf Wuchs und Kraft". Bis dahin heißt's abwarten. Bei der Premiere gab es dafür einen "Hohenheimer Regent Kabinett 2004", einen Rotwein, der durch seine Urtümlichkeit beeindruckt, kein Vergleich zu dem, was sonst so an Württembergern in den Ladenregalen steht.

Den hat auch Dr. Nikolaus Merkt von der Universität Hohenheim, der das Projekt begleitet. Er weiß, dass der Chardonnay hier besonders gut gedeiht, und dass in den letzten vier Jahren hervorragende Fortschritte erzielt wurden. Durch Begrünung, so Merkt, sei es beispielsweise gelungen, die Bodenstruktur deutlich zu verbessern. Die Bodenqualität sei sehr wichtig für den Erfolg, erklärt der Experte. Generell, so fasste Merkt zusammen, müsse es natürlich ober- und unterirdisch stimmen.
Dass der Wein letztendlich gut wird, hängt auch von den Kellermeistern ab. Gerhard Henzler, Otto Muckenfuß und Karl Schall scheinen prima gearbeitet zu haben: Manche der Paten loben die feine Frucht, andere die reife Säure. Dr. Eberhard Schaich, ehemaliger Uni- Rektor und Rebstock- Pate urteilt über den 2005er: Sehr gut für einen Württemberger. Dafür, dass der Schillerwein aus mehreren Sorten besteht, ist er ausgezeichnet.
Aber auch Liebhaber sortenreicher Weine dürfen hoffen: Henzler und Merkt kündigten an, dass 2007 eventuell Chardonnay und Schwarzriesling separat ausgebaut werden.

   
 

   
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